Auditions, Castings und Vorsingen – grundlegende Tipps

Due to popular demand, a German version of my article Auditioning – some tips.

phanlop88 / FreeDigitalPhotos.net

Eines gleich vorweg: Nicht alle Auditions/Vorsingen sind vergleichbar. Es ist ein massiver Unterschied, ob man für einen Platz an der Uni / Hochschule, eine Rolle in einer Musical- oder Opernproduktion, für eine Band, einen Chor, eine Agentur, eine Talentshow oder einen Wettbewerb vorsingt. Es macht gewisserweise natürlich auch einen Unterschied, ob man sich in Profi- oder Amateurkreisen bewegt (und letzteres ist kein “böses” Wort).

Alle Vorsingen haben jedoch Gemeinsamkeiten: Sie müssen gut vorbereitet werden. Dies bedeutet nicht nur, Ihre Songs / Repertoire in- und auswendig zu kennen, sondern auch im Voraus zu wissen, was von Ihnen erwartet wird: Können Sie Ihre Songs selbst auswählen, oder ist das Vorsingrepertoire festgelegt? Müssen Sie gar vom Blatt singen? Normalerweise wird Ihnen im Voraus mitgeteilt, was Sie zu erwarten haben (und was von Ihnen erwartet wird). Sollten jedoch Zweifel bestehen, scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, so dass Ihnen genügend Zeit für die Vorbereitung bleibt.

Wenn Sie beispielsweise für ein Musical vorsingen, ist es in der Regel eine gute Idee, ein Stück aus der Show für die Sie vorsingen zu vermeiden – es sei denn, es wird ausdrücklich gefordert. Wählen Sie etwas aus einer ähnlichen Show: Bringen Sie kein Musical aus den vierziger Jahren zu einem Vorsingen für ein Rock-Musical. Bedenken Sie, dass Typ-Casting häufig eine Rolle spielt, und kennen Sie Ihre Grenzen – singen Sie beispielsweise nicht mit einer Comedy-Nummer vor, wenn Sie kein komisches Talent haben.

Erarbeiten Sie sich einen Bestand von Vorsing-Repertoire für alle Gelegenheiten – Songs müssen dann nur noch für die nächste Audition “entstaubt” werden.

Sollten Sie für Musicals vorsingen, haben Sie Auszüge bereit (sogenannte “16-bar-cuts”), denn sehr oft wird man Sie nicht den gesamten Song vorsingen lassen. 16-bar-cuts sind in Musical Audition Gang und Gäbe: Sie können sogar fertige Versionen, zum Beispiel Hal Leonards “16 Bar Theatre Audition“, käuflich erwerben. Es schadet jedoch auch nicht, selbst darüber nachzudenken, da es Sie Ihrer Stärken und Schwächen bewusst macht (und wie Sie sich von Ihrer besten Seite präsentieren, wenn Sie nur ein sehr kurzes Zeitfenster zur Verfügung haben). Sollten Sie keinen 16-bar-cut haben, ist das auch nicht gleich ein Drama: Seien Sie allerdings darauf vorbereitet, dass Sie vielleicht zu einem bestimmten Zeitpunkt unterbrochen werden; vielleicht sogar, bevor Sie sich von Ihrer besten Seite präsentieren konnten.

Die Auswahl des für Sie geeignetsten Repertoires ist wichtig, auch in der Amateur-Szene. Wenn Sie für eine Band oder einen Chor vorsingen, bereiten Sie etwas vor, das stilistisch passt: Keine klassische Arie für ein Pop-Chor, genauso wenig wie Sie Sinatra zum besten geben sollten, wenn Sie der Front-Sänger einer Heavy-Metal Band sein wollen (es sei denn, Sie überholen das Ganze stilistisch) .

Vermeiden Sie Songs, die stilistisch, tempomäßig oder sonstwie alle gleich klingen – ich liebe persönlich Balladen und fühle mich in Uptempo-Songs weit weniger wohl, aber es ist nichtsdestotrotz wichtig, Vielseitigkeit zeigen. Gehen Sie also sicher, dass ihre Repertoire-Liste eine gute Auswahl an langsameren und schnelleren Songs enthält.
Vermeiden Sie die sogenannten “Signature Songs” – Lieder, die so eng mit einem bestimmten Interpreten in Verbindung gebracht werden, dass es immens schwierig wird, jemandem damit zu beeindrucken. Der Grund: Diese Songs werden so oft gesungen, dass sie den Meisten zu den Ohren herauskommen und Sie es daher schwer haben werden, mit dem Originalinterpreten zu konkurrieren. Berühmte Beispiele sind “Cabaret” (L. Minelli) , “Over the rainbow” (J. Garland), “My Way” (F. Sinatra – vor allem dann, wenn Sie ein sehr junger Darsteller mit wenig Lebenserfahrung sind). Wenn Sie das Gefühl haben, diese Songs unbedingt singen zu müssen, müssen Sie entweder extrem gut sein, oder den Song komplett überarbeiten und in etwas sehr Eigenes verwandeln.

Wenn Sie für eine professionelle Produktion vorsingen, ist es immer eine gute Idee (wenn nicht bereits im Vorfeld versandt), einen künstlerischen Lebenslauf und gute Fotos im Gepäck zu haben. Bitte keine Fotos mit der Katze auf dem Schoss, oder iPhone-Schnappschüsse mit schlechter Beleuchtung! Investieren Sie in professionelle Portraits wenn Sie sich nicht blamieren wollen. Am Tag des Vorsingens wird oft sowieso ein Instant-Foto geschossen – peinlich genug 😉
Sollten Sie sich nicht sicher sein, wie man einen künstlerischen Lebenslauf schreibt: Es lohnt sich unter Umständen, einen (Online)-Kurs zu belegen oder professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Und immer daran denken: Sollten Sie die Rolle/den Job nicht bekommen, heisst das nicht zwangsläufig, dass Sie nicht gut sind. Es bedeutet lediglich, dass es dieses Mal nicht Sie waren, nach dem/der gesucht wurde – oder vielleicht waren Sie es sogar, aber jemand anderer war ein kleines bisschen besser geeignet.

Haben Sie Spass an Ihrem Vorsingen – verbuchen Sie es als eine wertvolle Erfahrung, selbst wenn Sie am Ende nicht zu den Auserwählten gehören…

© Petra Raspel 2011 – 2014

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